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Endlich Hochgeschwindigkeit

Deutschland lechzt nach schnellem Internet. Doch immer noch gibt es viele unerschlossene Gebiete. Unitymedia ändert das – zum Beispiel im Münsterland.

In den Gemeinden Ascheberg und Nordkirchen surfen die Bewohner bald mit Highspeed.

In den Gemeinden Ascheberg und Nordkirchen surfen die Bewohner bald mit Highspeed.

Bei Manuel Lachmann im Rathaus Nordkirchen klingelt das Telefon. Ein Unternehmer, der es nicht schafft, größere Datenmengen an Kunden zu verschicken. Solche Anrufe kommen in den Kommunen im Münsterland häufiger vor – auch bei Wirtschaftsförderer Lachmann. Die geringe Bandbreite im Netz bringt vor allem Firmen auf. Die Gemeinde solle dafür sorgen, dass der Standort attraktiv ist für die Wirtschaft, lautet die Forderung. Ein anstrengender Job für Lachmann, der als Wirtschaftsförderer in Nordkirchen tätig ist. Derzeit beträgt die Höchstgeschwindigkeit des Internets 16 Mbit/s – wenn es gut läuft. Häufig läuft es schlecht. Dann kommt auch mal nur 1 Mbit/s aus der Leitung. So ist die Region mit den Gemeinden Nordkirchen und Ascheberg der bisher größte sogenannte Whitespot im Verbreitungsgebiet von Unitymedia.

Für Unternehmer ist das ein existenzielles Problem: Wer nicht vernünftig arbeiten kann, sucht nach Alternativen. So ist der Zugang zu leistungsstarkem Breitband laut einer Studie des Deutschen Instituts für Urbanistik im Auftrag der KfW einer der wichtigsten Standortfaktoren der Zukunft und Schlüssel zur Wettbewerbsfähigkeit ganzer Regionen: Eine niedrige Bandbreite könne bereits heute für Unternehmen äußerst nachteilig wirken, heißt es darin.

Die Bagger rollen an
In der Region zwischen Dortmund und Münster ist dieses Problem bald Geschichte: Im Juni rollen Bagger an und graben eine Glasfasertrasse durch Nordkirchen. Im benachbarten Ascheberg sind die Bauarbeiten seit März 2017 bereits in vollem Gange. Schon zum Jahresende können die Bewohner dann mit bis zu 400 Mbit/s surfen. Ein Großteil der rund 10.000 Haushalte in insgesamt 6 Ortsteilen werden bis Jahresende ans Hochgeschwindigkeits-Glasfasernetz von Unitymedia bis an die Gebäude angeschlossen, rund 154 Kilometer Glasfaserkabel verlegt sein. Eine große weiße Lücke in seiner Landkarte schließt Unitymedia komplett eigenfinanziert.

Insgesamt werden in Ascheberg und Nordkirchen rund 145 Kilometer Glasfaser verlegt.

Allerdings hinkt Deutschland beim Glasfaserausbau hinterher. So profitieren in Schweden 56 und in der Schweiz 27 Prozent der Haushalte von direkt verfügbaren Glasfaserverbindungen. In Deutschland sind es dagegen knapp 7 Prozent. „Unambitionierte Ziele, eine fehlende gesamtstaatliche Strategie, unkoordinierte Förderprogramme und fehlender Mut, konsequent auf Glasfasertechnologie zu setzen“, bescheinigt eine Studie der Bertelsmann Stiftung und des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung im Mai 2017 der Bundesregierung. Fast alle OECD-Staaten investieren demnach mehr in den Ausbau der Glasfasernetze als die Bundesrepublik.

Veraltete Kupfertechnologie wurde aufgerüstet
Der Bund hat in den vergangenen 4 Jahren zwar rund 4 Milliarden Euro in die Förderung des Breitbandausbaus investiert. Doch damit wurde vor allem die eigentlich veraltete Kupfertechnologie aufgerüstet, um noch ein paar Megabit aus den Leitungen zu pressen. Das ist zwar billiger. Die Zukunft gehört allerdings der Glasfaser. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hat deshalb einen Plan vorgestellt, demzufolge Bund und Wirtschaft insgesamt 100 Milliarden Euro in den kommenden 10 Jahren in den Breitbandausbau investieren sollen. Bis 2025 soll die Gigabitgesellschaft in Deutschland Realität sein.

 

Wir haben sehr schnell beschlossen, dass wir hier investieren wollen.

Daniel Kleinbauer, Senior Vice President GigaBuild bei Unitymedia

Deshalb sind die Kabelnetzbetreiber gefragt. In den kommenden Jahren will Unitymedia sein Netz noch erweitern und technisch überall auf den neuesten Stand bringen. 2016 hat Unitymedia 200.000 Haushalte ans Breitbandnetz angeschlossen oder technisch aufgerüstet. In den neu erschlossenen Gebieten werden die Glasfaserkabel in der Regel bis ans Gebäude verlegt (FTTB). Bestehende Netze rüstet Unitymedia dagegen so auf, dass sie „GIGAready“ sind. Das bedeutet, die Leitungen können mit geringem technischen Aufwand auf den Übertragungsstandard DOCSIS 3.1 gebracht werden, der Gigabitgeschwindigkeiten ermöglicht.

Der Kampf dauert an
In den Gemeinden Ascheberg und Nordkirchen dauerte der Kampf um schnelles Internet rund 2 Jahre. 2015 erklärte sich ein lokaler Anbieter bereit, das Kabelnetz in den Gemeinden auszubauen. „Relativ schnell rollten dann die Bagger an“, sagt Helmut Sunderhaus, Fachbereichsleiter Ordnung und Soziales und Wirtschaftsförderer von Ascheberg. Doch plötzlich beerdigte der Anbieter das Projekt und beendete die Bauarbeiten. Die Bagger zogen ab. Doch Wirtschaftsförderer Helmut Sunderhaus wollte nicht aufgeben. Gemeinsam mit Dr. Jürgen Grüner von der Wirtschaftsförderung des Kreises Coesfeld und Manuel Lachmann machte er sich auf die Suche nach einem neuen Betreiber, der bereit war, Millionen in die Gemeinden zu investieren. Und die drei wurden fündig – mit Unitymedia. „Wir haben uns die Region angesehen und sehr schnell beschlossen, dass wir hier investieren wollen“, sagt Daniel Kleinbauer, Senior Vice President GigaBuild bei Unitymedia.

Daniel Kleinbauer von Unitymedia treibt den Breitbandausbau voran.

Die Herausforderung: Die nächste Anschlussstelle zum letzten Netzpunkt liegt rund 13 Kilometer entfernt. Um sicher zu sein vor Bodenfrost, werden die Kabel in Regeltiefe etwa 80 Zentimeter unter der Erde verlegt. Der Anschluss der Region ist also mit groß angelegten Bauarbeiten verbunden – das ist nicht nur aufwendig, sondern auch teuer. „Das Interesse der Bevölkerung an dem Ausbau war aber so groß, dass wir uns sicher waren, dass sich dies für alle lohnen wird“, sagt Kleinbauer. Rund 12 Millionen Euro werden deshalb in den Ausbau des Glasfasernetzes investiert.

Die Baugruben sind schnell wieder zu
In Ascheberg rollten Anfang des Jahres wieder die Bagger an die Baugruben. Nun ist die Verbindung zwischen Davensberg und Ascheberg mit der Haupttrasse, der sogenannten A-Linie, bereits fertig. Im nächsten Schritt werden Abzweiger von der Haupttrasse gebaut, an die dann Gewerbebetriebe und Wohngebäude angeschlossen werden können. Die Verbindung von den Häusern zur Hauptleitung wird vom Keller der Häuser entweder mit einer Lanze gestochen oder mit einer Rakete geschossen. Dafür schiebt sich ein unscheinbares, schwarzes Kabel durch das Erdreich. „In den meisten Fällen ist es gar nicht nötig, die Einfahrt aufzubaggern. Und wenn doch, ist das Loch am nächsten Tag wieder zu“, sagt Kleinbauer.

Mit Hochdruck arbeiten die Techniker gerade am Römerweg im Stadtteil Davensberg. Dort werden 3 große Schaltschränke und ein kleiner Verteiler angebracht, die für eine schnelle Durchleitung von der Hauptleitung zu den Abzweigungen sorgen. „Bald werden die ersten Haushalte mit schnellem Internet versorgt sein. Das ist wirklich ein toller Schritt“, sagt Wirtschaftsförderer Sunderhaus. Er ist sich sicher, dass dann noch mehr Bürger in der Gemeinde schnelles Internet haben wollen. Auch Manuel Lachmann in Nordkirchen ist bereit. „Wir können es kaum erwarten, dass hier endlich die Bagger anrollen.“ Wenn das schnelle Netz endlich da ist, will seine Gemeinde damit werben. Bereits jetzt bekommt er viele Rückmeldungen von Unternehmern, die sich auf die Zukunft im Münsterland freuen. „Aus dem Standortnachteil wird ein Standortvorteil“, sagt Lachmann.

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