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Raus aus der Nerd-Ecke

Der Internetunternehmer Thomas Bachem will die Ausbildung für Programmierer verbessern – und hat deshalb eine staatlich anerkannte Hochschule gegründet.

Thomas Bachem möchte nicht nur Nerds fürs Programmieren begeistern.

Thomas Bachem möchte nicht nur Nerds fürs Programmieren begeistern.

Für Computer interessiert sich Thomas Bachem schon lange. Mit 13 brachte er sich selbst Programmieren bei – mithilfe eines Buchs aus der Buchhandlung. Danach begann er, zum Spaß kleinere Programme zu schreiben. Was lag da näher, als nach dem Abitur Informatik zu studieren? „Ich habe festgestellt, dass ich das auf keinen Fall machen will. Das Studium war mir viel zu mathematisch und theoretisch“, sagt er. Praktisch anwenden ließe sich aus dem Studium nur sehr wenig und Kreative würden abgeschreckt, meint Bachem. Stattdessen studierte er dann BWL an einer privaten Business School.

Praktische Arbeit im Vordergrund

Nach dem Abschluss stellte er fest, dass es immer noch keine Angebote für Leute wie ihn gibt, die programmieren, aber nicht Informatik studieren wollen. „Und das im Jahr 2008, wo die Digitalisierung längst im vollen Gang war.“ Im Laufe der Jahre gründete Bachem eine Reihe von Internetunternehmen. Dann beschloss er, eine Hochschule ins Leben zu rufen, bei der die praktische Arbeit im Vordergrund steht: Mit rund 70 Studierenden im Wintersemester 2017/18 nimmt die Code University of Applied Sciences nun in Berlin ihren Betrieb auf. Ausgebildet werden nicht nur Softwareentwickler, sondern auch Designer und Produktmanager. „Digitale Produktentwicklung“ nennt Bachem das.

Die Hochschule erhebt zwar Studiengebühren, die zahlen die Studenten aber erst nach dem Studium und anteilig von ihrem Einkommen zurück. Der Unterschied der Code-Hochschule zu staatlichen Unis? „Wir glauben fest daran, dass Theorie am besten im Kontext von Praxis vermittelt wird. Deshalb setzen wir anstelle von Frontalunterricht auf eine konsequent projektbasierte Didaktik. Wir wollen die Informatik- Studiengänge aber nicht ersetzen, sondern das Entwickeln digitaler Produkte für die Praxis lehren.“

Feriencamps für Schüler

Bereits Schüler will Bachem für Softwareentwicklung begeistern. Deshalb hat er die Code+Design Initiative ins Leben gerufen, die von Unitymedia unterstützt wird. Der gemeinnützige Verein organisiert deutschlandweit Feriencamps für Jugendliche. Das erste Camp fand 2016 in Köln statt, nun tourt die Initiative durch Deutschland. „So wollen wir unter anderem auch Mädchen früher für das Thema begeistern. Denn wenn wir damit bis zur Studienorientierung warten, ist es meist zu spät.“ Betreut von Coaches erarbeiten Schülerinnen und Schüler 4 Tage lang in Gruppen Projekte. Die Teams setzen sich kunterbunt zusammen – Technikfreaks sitzen dann mit absoluten Programmier-Anfängern an einem Tisch. „Wir wollen den Jugendlichen Spaß an der Technik, Motivation und eigenverantwortliches Lernen vermitteln.“ Der Erfolg gibt Bachem recht: Die Code+Design Camps sind immer schnell ausgebucht.

Bildrechte: © Laurin Schmid