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Schlaues Sparen

Digitale Technik kann sogar in der U-Bahn den Stromverbrauch senken, sagt Markus Eisenhauer vom Fraunhofer-Institut. Besonders groß sind die Einspareffekte in Büros.

Bringt die Digitalisierung Vorteile für die Umwelt?

Gerade Smart Grids, also intelligente Stromnetze, bewirken viel. Denn seit der Energiewende fließt der Strom in Deutschland nicht mehr gleichmäßig durch die Netze: Wenn viel Wind weht oder die Sonne scheint, ist die Last höher. Die Leitungen sind deshalb großen Schwankungen ausgesetzt und müssen dann schneller ausgetauscht werden. Das verursacht enorme Kosten und belastet die Umwelt. Intelligente Stromnetze reduzieren Schwankungen. Die Netze sind dadurch langlebiger. Aber auch Smart Buildings können die Umwelt schonen.  

In privaten Haushalten lohnt es sich, erst einmal Stromfresser wie einen alten Kühlschrank auszutauschen.

Markus Eisenhauer, Fraunhofer-Institut

Lässt sich mit intelligenten Gebäuden wirklich Strom sparen?

Auf den ersten Blick mag das vielleicht widersinnig sein: Denn die Technik verbraucht ja auch Strom. Doch gerade im gewerblichen Bereich sind die Einspareffekte durch Smart Meters groß – zum Beispiel in Büros. Dort laufen immer viele Geräte, manche werden nie ausgeschaltet. Hier kann man mit einer automatischen Steuerung eine Menge herausholen. Auch einige Studentenwerke haben Smart Meters deshalb für sich entdeckt. In privaten Haushalten sind die Einspareffekte dagegen eher gering. Hier lohnt es sicher eher, Stromfresser wie einen alten Kühlschrank auszutauschen.


Wie sieht es im öffentlichen Leben aus?

Auch hier gibt es sehr viel Einsparpotenzial. Das Fraunhofer-Institut hat beispielsweise die U-Bahn-Stationen in Barcelona energieoptimiert. Seither wird dort unter anderem die Beleuchtung automatisch gesteuert: Eine Kamera überwacht, wie viele Menschen ein- und aussteigen. Ist der Bahnsteig voll, wird das Licht automatisch dunkler; wenn er leerer ist, wird es heller. Eigentlich würde man es genau andersherum erwarten. Aber Menschen fühlen sich sicher, wenn sie ihre Umgebung (in diesem Fall ihren Nebenmann) sehen. Wenn der Bahnsteig voll ist, steht oder sitzt er ja direkt neben einem. Deshalb darf es dunkler sein. Auch Belüftung, Rolltreppen und Fahrstühle werden automatisch gesteuert. Insgesamt konnten wir den Stromverbrauch der Bahn damit um 25 Prozent reduzieren. Das ist enorm – und könnte auch in Deutschland Schule machen.


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